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Radio Frequency Identification Device
Prof. Jürgen Plate |
Radio Frequency Identification Device - RFID
Die Geschichte der Funk-Technologie RFID begann bereits im zweiten Weltkrieg. Anfang
der 40er Jahre setzte das US-Militär Vorläufer der heutigen Technik zur
Freund-Feind-Erkennung von Flugzeugen und Kriegsschiffen ein. Danach fristete die
Technologie lange ein Nischendasein und wurde hauptsächlich für die Tieridentifikation
verwendet ("gechipt"). Erst in den 80ern erweiterte sich das Anwendungsfeld von
RFID und die Technik wurde biespielsweise bei Zugangskontrollen oder Skipässen
eingesetzt. Erst später erkannte man aber das Potenzial von RFID in neuen
Einsatzfeldern. Bislang komplexe und fehleranfällige Prozesse lassen sich
damit vereinfachen. So kann RFID beispielsweise zur Identifikation von
Produkten und zur Steuerung von logistischen Prozessen eingesetzt
werden und an die Stelle aufwendiger manueller Datenerfassung treten.
Funktionsweise der RFID-Technik
Ein RFID-System ist ein automatisches Identifikationssystem, es dient der
Identifikation von Objekten und Personen sowie der Informationsbereitstellung.
Die RFID-Technik bietet die Möglichkeit der berührungslosen Datenübertragung auf der
Basis elektromagnetischer Wechselfelder. Auf diesem Wege können Daten automatisch,
ohne manuelles Zutun, ausgelesen oder gespeichert werden. So lassen sich Objekte
identifizieren, auch wenn sie in Bewegung sind. Zum Datenaustausch und zur Speicherung
von Informationen dienen "Transponder" oder "Tags", die sich an der Ware anbringen
lassen. Manche Tags können nur gelesen werde, andere lassen sich auch mit neuen Daten
beschreiben. Ein Tag oder Transponder besteht aus einem Mikrochip mit Kupfer- oder
Aluminium-Antenne. Der Transponders kommuniziert über seine Antenne mit dem Lesegerät
(Reader), das den Inhalt des integrierten Transponderchips ausliest. Der Begriff
"Transponder" ist ein Kunstwort zusammengesetzt aus "Transmitter" (der Sender) und
"Responder" (der Antwortende).
Die Identifikation eines Transponders ist die Basisfunktion eines RFID-Systems. Die einfachste
Form der Identifikation (Transponder befindet sich im Feld oder nicht) wird in der Regel
erweitert um das Auslesen im Transponder gespeicherten Datensatzes. In Datenbanken werden alle
zu diesem Datensatz (Z. B. Identifikationsnummer) gehörigen Informationen gespeichert
und bei Bedarf geändert. Da beschreibbare Transponder erst später auf den Markt kamen,
heißen die Geräte auch dann noch "Reader", wenn man mit ihen auch daten auf dem RFID-Tag
speichern kann.
Die Stärken von RFID, speziell gegenüber dem Barcode, liegen in der Möglichkeit,
mehrerer RFID-Transponder vollautomatisch und gleichzeitigen zu Erkennen,
wobei keine Sichtverbindung zwischen Lesegerät und RFID-Transponder nötig
ist. Daher lassen sich RFID-Transponder in Objekte einbetten, ohne dass sie äußerlich
sichtbar sind, um beispielsweise den Einsatz unter extremen Bedingungen
wie Schmutz oder Hitze zu ermöglichen. Gegenüber Barcode-Scannern ist auch
eine höhere Lesereichweite möglich; außerdem können Informationen auf einem
RFID-Transponder mit Datenspeicher während des Einsatzes verändert werden,
was bei einem Barcode nicht möglich ist.
Auf dem Markt befinden sich viele unterschiedliche RFID-Systeme, die sich durch die
jeweilige Transponder-Bauform, die Energie- und Datenübertragung, die Übertragungsfrequenz
und die Reichweite unterscheiden. Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Transponder,
Reader und Antennen zum Einsatz. Ob Glasröhrchen, Ohrenmarke, Scheckkarte, Scheibe oder
hitzeresistente Modelle für die Automobilindustrie: Für fast jedes Anwendungsgebiet
gibt es eine passende Transpondervariante. Deshalb kann nicht von "dem Transponder" gesprochen
werden. Klassische Tag-Formen sind z. B. die ID-Karte, die für Zugangskontrollen genutzt
wird, oder die im Zündschlüssel integrierte Wegfahrsperre.
Tags gibt es als Label, Knopf, Karte oder in anderen Bauformen (z.B. zum unter die
Haut injizieren - siehe Kopfzeile).
In der unterschiedlichen Nutzung liegt der große Vorteil der RFID-Technik.
Und die Entwicklung hat das Ende des Machbaren noch nicht erreicht. Der
Markt entwickelt neue Tag-Formen, vorhandene Tags werden verbessert. So
verbreitet sich RFID in neuen Anwendungsbereichen. Darüber
hinaus ermöglichte die fortschreitende Miniaturisierung auch die
Entwicklung von "Smart Labels". Diese passiven Transponder werden mit
einer Antenne auf Folie aufgebracht. Vorteil: sie sind bedruckbar und
lassen sich wie Papier weiterverarbeiten. Die Energie zum Auslesen der
Daten liefert das Lesegerät. Transponder in Etiketten-Form sind
beispielsweise für den Einsatz in Logistik-Unternehmen interessant.
Dort werden Paletten, Pakete und Sendungen direkt mit dem Transponder
beklebt; dadurch lassen sich die Waren-Sendungen identifizieren. Die
neueste Entwicklung ist die Polymertechnologie, welche die Herstellung
preiswerter RFID-Tags für Massenanwendungen ermöglicht.
Transponder können als aktive oder passive Variante auftreten. Während die aktiven
Transponder über eine eigene Energieversorgung durch eine eingebaute Batterie
verfügen, beziehen passive Transponder die nötige Energie aus dem elektromagnetischen
Feld des Lesegerätes. Beide Transponderarten haben unterschiedliche Eigenschaften
und eignen sich deshalb für unterschiedliche Anwendungsbereiche. Das Fehlen der
Batterie bei passiven Tags reduziert Kosten, Gewicht und Größe des
Transponders. Nachteil: die geringere Reichweite. Diese Tags werden oft zur
Produktidentifizierung- und Auszeichnung bei in hohen Stückzahlen
produzierten Produkten verwendet. Passive Etiketten werden oft bei Massenartikeln
verwendet. Aktive Transponder funken im Vergleich zu passiven Tags durch ihre eigene
Energieversorgung deutlich weiter. Diese Eigenschaften machen sie für
Bereiche interessant, bei denen Überwachungs- bzw. Protokollierungsaufgaben übernommen
werden.
RFID-Systeme sind prinzipiell in unterschiedlichen Frequenzbereichen verfügbar.
Die Betriebsfrequenzen der meisten RFID-Systeme liegen im Bereich der ISM-Bänder,
die für Geräte in der Industrie, Wissenschaft und Medizin frei verwendbar sind. Hinzu
kommt das LF-Band um 125 kHz:
Typische Reichweiten von RFID-Systemen sind:
| Reichweite | Bezeichnung | Spezifiziert | Datenraten | Beispiel |
| 0..1 cm | CICC - Close Coupling | ISO 10536 | 9600 Bit/s | Legic |
| 0..10 cm | PICC – Proximity Coupling | ISO 14443 | 106 - 848 kBit/s | Mifare, Legic |
| 0..1 m | VICC - Vicinity Coupling | ISO 15693 | 53 - 2648 kBit/s | I-Code, Tag-It |
Die aufgelisteten Systeme können weniger oder maximal 1 Meter überbrücken und werden
deshalb als Remote-Coupling Systeme bezeichnet. Systeme die mehr als 1 Meter
Reichweite haben, werden als Long-Range Systeme bezeichnet.
Von der Frequenz hängt auch die Datenübertragungsrate ab. Je höher die Frequenz, desto mehr
Trägerfrequenzperioden sind pro Zeiteinheit verfügbar, um eine Information zu tragen.
Somit ist die Frequenz mit den abgeleiteten Eigenschaften Reichweite und Datenrate
ausschlaggebend für die Anwendungsmöglichkeiten eines RFID-Systems. Bei Anwendungen wie
Mautsystemen muss eine Information schnell und über eine Distanz von einigen Metern
übertragen werden, wofür eine hohe Frequenz notwendig ist. In einem Zutrittskontrollsystem
ist dagegen eine geringe Reichweite gefordert, da nur dies eine Verwendungssicherheit
mit sich bringt, bei der ein Tag bewusst an den Leser gehalten werden muss, um zu
funktionieren. Je nachdem welcher Frequenzbereich eines RFID-Systems gewählt wird, ergeben
sich unterschiedliche Eigenschaften, die die folgende Grafik veranschaulicht.
Die Energieversorgung des Datenträgers, sowie der Datenaustausch zwischen Datenträger
und Lesegerät erfolgt durch Verwendung magnetischer oder elektromagnetischer Felder.
Die technischen Verfahren wurden hierzu aus der Funk- und Radartechnik übernommen.
Der RFID-Transceiver (Leser) versorgt den RFID-Tag kontaktlos mit Energie und dem
entsprechenden Takt. Der RFID-Tag reagiert und übermittelt die geforderten Daten.
Zur Datenubertragung zwischen Transceiver und Tag kommen prinzipiell folgende beiden
Verfahren zum Einsatz:
Lastmodulations-Verfahren:
Bei der Lastmodulation sind die Antennenspulen von Lesegerät und Tag über das
Nahfeld gekoppelt. Dabei darf der Abstand der beiden Spulen nicht größer als die
Wellenlänge/2π sein. Der sich in Resonanz befindende Tag entzieht dem magnetischen
Wechselfeld Energie, die einerseit zum Speisen der internen Elektronik verwendet wird.
Andererseits wird durch gezieltes An- und Abschalten eines Lastwiderstands dieser
Energieverbrauch variiert und somit ändert sich die Spannung an der Antennenspule. Durch
diese Form von Amplitudenmodulation kann der Tag Daten an das Lesegerat senden. Im
Lastmodulationsbetrieb kommen Transponder mit Luftspulen zum Einsatz.
Backscatter-Verfahren:
In Systemen mit höherer Reichweite, die über das Weitfeld gekoppelt sind, kommt das
dieses Verfahren zur Anwendung. Hierbei hat sich das elektromagnetische Feld
bereits von der Antenne abgelöst und breitet sich als Welle im Raum aus. Das
Verfahren basiert darauf, dass elektromagnetische Wellen vom Transponder reflektiert
werden. Die Transponderantenne reflektiert oder absorbiert dabei das Feld und das
Lesegerät registriert das Verhältnis der Reflexionsänderung (Backscattering). Bei
diesem Verfahren muss ein Transponder mit einer Dipolantenne ausgerüstet sein.
Das Prinzip des Lastmodulations-Verfahrens soll hier mit einem vereinfachten Modell
veranschaulicht werden. Der hier vorgestellte RFID-Transponder kann nur 1 Bit Information
übermitteln, funktioniert im Übrigen ähnlich wie die richtigen Tags. Insbesondere die
Energieversorgung und die Lastmodulation sind dem Original nachempfunden.
Als Modell für den Reader wird ein kleiner HF-Sender mit einer Frequenz von 13,56 MHz
benötigt, der sich dikret mit zwei Transitoren aufbauen läßt. Die Sende-Luftspule mit
vier Windungen erzeugt ein kräftiges HF-Feld, aus dem der Transponder seine Energie
gewinnt.
Das HF-Feld des Senders gelangt über eine Spule mit gleichem Aufbau zum Transponder-Eingang.
Dort befindet sich ein abgestimmter Schwingkreis, dessen HF-Spannung gleichgerichtet wird.
So erhält man bei Annäherung an den Sender eine Betriebsspannung von etwa 3 V, die für die
nachfolgende Schaltung gerade noch ausreicht. Die 1-Bit-Information wird über einen
Frequenzteiler mit dem Teilerverhältnis 10 erzeugt. Am Ausgang des 4017 liegt eine
Rechteckspannung mit einem Zehntel der Eingangsfrequenz (1,356 MHz) und einem
Tastverhältnis von 1 zu 10. Die herunter geteilte Frequenz steuert einen Transistor an,
der für eine Lastmodulation des Antennensignals zuständig ist. In jeder zehnten Periode
des Eingangssignals wird er leitend und entzieht dem Schwingkreis gerade eben soviel Energie,
dass der Teiler an seinem Takteingang noch genügend Eingangsspannung erhält.
Am Kollektor des BC547 ergibt sich dann das folgende Signalbild. Durch die zusätzliche
Belastung sinkt auch die Betriebsspannung des Systems etwas ab, nach einigen Perioden
erholt sie sich aber wieder.
(Quelle der Demo-Schaltungen: AK-MODUL-BUS GmbH)
Vielfachzugriffsverfahren
Viele Anwendungen fordern von RFID-Systemen, dass eine größere Anzahl von
Objekten gleichzeitig erkannt wird, z. B. alle Waren in einem Einkaufswagen.
Verglichen mit RFID-Systemen, bei denen sich immer nur ein einziger
RFID-Transponder im Lesebereich befindet (z.B. Zugangskontrolle), wird hier
ein komplexeres Kommunikationsverfahren benötigt. Verfahren, die es gestatten,
mehrere RFID-Transponder gleichzeitig auszulesen, nennt man "Vielfachzugriffsverfahren".
In der Funktechnik sind Raummultiplex (SDMA), Zeitmultiplex
(TDMA), Frequenzmultiplex (FDMA) und Codemultiplex (CDMA) als Vielfachzugriffsverfahren
bekannt.
Bei RFID-Transpondern wird hauptsächlich ein Zeitmultiplex-Verfahren (TDMA), selten auch
ein Frequenzmultiplex-Verfahren (FDMA) oder eine Mischung aus beiden verwendet.
Es handelt sich bei RFIS um ein Antikollisionsverfahren (ähnlich wie bei Computernetzen),
das sich in zwei Klassen unterteilen läßt:
- Bei den deterministischen Verfahren sucht das Lesegerät alle RFID-Transponder
im Lesebereich anhand deren eindeutiger Seriennummer. Das am häufigsten eingesetzte
Verfahren ist der Baumtraversierungsalgorithmus, bei dem der Binärbaum aller möglichen
binär codierten Seriennummern systematisch durchlaufen wird. Bei jedem Anfrageschritt
werden alle RFID-Transponder, deren Seriennummer in einem bestimmten Intervall
liegen, aufgefordert, mit ihrer Seriennummer zu antworten. Kommt es zu einer Kollision
(mehrere RFID-Transponder antworten), wird das Intervall halbiert. Dies wird solange
wiederholt, bis nur noch ein einziger Transponder antwortet. Alle übrigen Intervalle
werden dann genauso abgesucht. Deterministische Antikollisionsalgorithmen
stellen also sicher, dass nach einer gewissen Zeit alle im Bereich des Lesegeräts
befindlichen RFID-Transponder erkannt werden.
- Bei den probabilistischen Verfahren antworten die RFID-Transponder zu einem
zufällig gewählten Zeitpunkt. Es wird dabei hauptsächlich eine Variante des
ALOHA-Algorithmus angewandt, bei dem das Lesegerät den RFID-Transpondern
ein Zeitfenster zum Antworten zur Verfügung stellt. Beim Framed-Slotted-
ALOHA-Algorithmus ist dieses Zeitfenster in eine vorgegebene Anzahl sogenannter
Zeitslots unterteilt, aus denen jeder Transponder zufällig einen für seine
Antwort auswählt. Es kommt zu einer Kollision, wenn mehr als ein Transponder
im selben Zeitslot antwortet, worauf die Anfragerunde wiederholt werden muss. Um nun
bei mehreren Anfragerunden die Zahl der Kollisionen zu minimieren, können erfolgreich
erkannte Transponder für die folgenden Runden stumm geschaltet werden. Bei
probabilistischen Antikollisionsalgorithmen ist generell nicht sichergestellt, dass
nach einer gewissen Zeit alle im Bereich des Lesegeräts befindlichen Transponder erkannt
werden.
Angriffs- bzw. Schutzszenarien
- Verhindern, dass die RFID-Transponder Signale/Energie empfangen: Dazu kann man
beispielsweise bei aktiven Tags die Batterie entfernen oder den RFID-Transponder
in einen Faradayschen Käfig stecken. Bei 125-kHz-Transpondern verwendet man eine
Abschirmung aus magnetisierbaren Materialien wie Eisen oder MU-Metall. Bei höheren
Frequenzen genügt das Umwickeln mit Alufolie.
- Die Antenne beschädigen: Bei größeren RFID-Transpondern kann man im Röntgenbild
bzw. bei Durchlicht die Antenne erkennen. Durchtrennt man diese, funktioniert der
Transponder nicht mehr.
- Transponder zerstören: Ein elektromagnetischer Impuls kann den Transponder oder
die Antenne zerstören. Es genügt ein entsprechen starker Hochspannungsimpuls (siehe
RFID-Zapper des CCC). Alternativ legt man den Transponder einige Sekunden
in die Mikrowelle. Auch mit einem Elektroschocker eignet sich für diesen Zweck.
- Störung der Kommunikation: Ein Störsender höherer Leistung "deckt" das Signal
des Readers zu. Auch "Jamming" durch eine große Zahl von Transpondern auf einem
gemeinsamen Träger blockiert den Empfang des "richtigen" Transponders.
- Abhören der Kommunikation: Durch einen mobilen Reader können Transponder
ausgelesen werden, beispielsweise bei einem elektronischen Zahlungsvorgang.
Später können die Daten missbraucht werden. Oder die Daten werden per Funk,
Internet etc. zu einem entfernten "Transponder-Simulator" übertragen. Eine
Zugangskontrollstation detektiert dann scheinbar den berechtigten Benutzer.
RFID-Einsatzbereiche
Die Nutzung von RFID beschränkt sich nicht auf eine bestimmte Branche
oder einen speziellen Einsatzbereich. Wegen der Vielfältigkeit kann
sie überall dort eingesetzt werden, wo Produkte oder Objekte automatisch
identifiziert bzw. verwaltet werden. RFID wird daher auch als
Querschnittstechnologie bezeichnet. Einige RFID-Anwendungsbereiche
werden nachfolgend kurz dargestellt:
- RFID in der Freizeit: Bereits seit vielen Jahren benutzt man
RFID in elektronischen Skipässen. Der mit einem Chip ausgestattete
Skipass wird an den Skiliften berührungsfrei erfasst. Dabei wird
gleichzeitig die Gültigkeit des Ausweises geprüft.
EIn weiterer RFID-Einsatzbereich ist die Ausstattung von Marathonläufern.
Die an den Schuhen des Sportlers befestigten funkenden Transponder
übermitteln die exakte Laufzeit an die Messstationen. Ein möglicher
Betrug wird so verhindert.
- Bibliotheken-Systeme:
Mit RFID können Bibliothekskunden schneller und effektiver ihre gewünschten
Medien ausleihen und den Büchereimitarbeitern wird die Arbeit bei der
Medienverwaltung erleichtert. Mit den Tags, die zwischen den
Bücherdeckeln kleben werden die Bücher automatisch bei Entleihe und
Rückgabe verbucht. Das umständliche und zeitintensive manuelle Handling
am Schalter entfällt. So beschleunigt sich die Entleihe und die
Wartezeiten werden erheblich verringert. Darüber hinaus wird auch der
Diebstahl von Büchern verhindert.
- Luftfahrt:
In der Luftfahrt wird RFID beispielsweise beim Gepäckhandling am Flughafen
eingesetzt. Damit stellt man sicher, dass die Gepäckstücke ins richtige
Flugzeug gelangen und zum gewünschten Zielflughafen weiter befördert
werden. Da es im Ersatzteil-Bereich oft zu Produktfälschungen kommt,
werden vermehrt auch Flugzeugersatzteile mit RFID-Transpondern
ausgestattet. Auch Platinen von Elektronikschaltungen lassen sich
mit RFID-Tags bestücken - sogar innerhalb der Platine.
- Produktion:
Die Fertigungsindustrie setzt RFID häufig ein, um Produktions-Fortschritte
zu dokumentieren oder Montagefehler zu verhindern. Die
Automobilindustrie tagt Fahrzeuge während der Produktion, um sie so zu
identifizieren. Im Tag ist die PKW-Konfiguration hinterlegt. Die
Funksignale verhindern zudem den Einbau falscher Teile oder Komponenten
im Fahrzeug.
- Pharma- und Gesundheitsbranche:
Die Pharmaindustrie nutzt RFID zum Schutz vor Fälschungen. RFID schützt
Patienten vor lebensgefährlichen Plagiaten. Eine negative
Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen Medikamenten wird als
Nebeneffekt verhindert. Selbst Patientendaten lassen sich damit
einfacher verwalten. Im Krankenhaus werden Patienten mit RFID-Armbändern
ausgerüstet und so vor Falschmedikation und Falschbehandlung geschützt.
- Tieridentifikation:
Seit den 70er Jahren werden RFID-Transponder für die Tiererkennung
eingesetzt. Vor allem Nutztiere wie Rinder werden mit Ohrmarken oder
einem Tag im Halsband gekennzeichnet. Aber auch Haustiere erhalten
Implantate. Die im Tag gespeicherten Daten des Lieblings können bei
Verlust den Tier-Halter ermitteln und schützen so das Tier
beispielsweise vor Diebstahl. Auch die "Elektronische Katzentür"
gehört in diese Rubrik.
- Zutritts-Kontrollen:
Oft wird RFID bei der Zutrittskontrolle verwendet, bei der die relevanten
Daten durch kontaktlose Chipkarten abgefragt werden. Viele Unternehmen
geben an ihre Mitarbeiter statt Schlüsseln nun Karten aus, die per RFID
den Unternehmenszutritt verwalten die Zeiterfassung übernehmen und
gleichzeitig eine Bezahlfunktion übernehmen. Eine ähnliche Funktion
hat die RFID-Karte im Hotel.
- Wegfahrsperre:
Der Transponder im Fahrzeugschlüssels dient als elektronische Wegfahrsperre.
Der Transponder wird dabei im eingesteckten Zustand über eine Lesespule nahe dem
Zündschloss ausgelesen und stellt mit seinem Code das ergänzende Schlüsselelement
des Fahrzeugschlüssels dar.
- Logistik:
Die meisten Anwendungsbereiche für RFID findet man bislang in der Logistik.
Die Funk-Technologie ist der stärkste Innovationstreiber in diesem
Bereich. Bisher setzten viele Branchen auf den Barcode.
- Supply Chain:
Mit RFID kann die Warenverfolgung in der
Supply Chain und der gesicherte Warenübergang verbessert werden. Im
Handel steigert sich die Effizienz durch die berührungslose
Wareneingangs-, Warenausgangs- und Inventurkontrolle. Kartons oder
Paletten werden ohne manuelles Handling und Öffnen der Verpackung
ausgelesen.
- Behältermanagement:
Mit RFID werden Mehrwegbehälter und -Ladeeinheiten wie Paletten verwaltet
und ihr Durchlauf durch die verschiedenen Stufen der Logistikkette
verfolgt. RFID-Tags ermöglichen die Identifizierung jedes Behälters und
sind besonders widerstandsfähig gegenüber äußeren Einwirkungen beim
Transport oder der Behälter-Reinigung.
- Wareneingang/Warenausgang/Inventur:
Die Kommissionierung und das Warenmanagement innerhalb eines Lagers lassen
sich durch den Einsatz von RFID-Technologie unterstützen. So lassen
sich Umverpackungen oder auch Artikel auf einer Palette zügig in nur
einem Arbeitsschritt erfassen. Das Scannen der einzelnen Produkte
entfällt. Eine softwareseitige Inventur wird somit möglich.
- Fertigungskontrolle/Materialflussüberwachung:
RFID-Tags identifizieren und überwachen Arbeitsprozesse. Durch die Fortschreibung
der einzelnen Produktionsfortschritte wird erkannt, bei welchem
Arbeitsschritt sich das Produkt befindet. Neben der Produkt-Verfolgung
kann mittels Tags auch das während der Produktion verwendete Material
verfolgt werden.
- Sendungsverfolgung:
Mit RFID lässt sich der Bearbeitungs- und Sendungsstatus eines Objektes in
der Logistikkette beobachten und fortschreiben. RFID kann so Produkte
oder Sendungen während des Transports verfolgen sowie Diebstähle und
Schwund erschweren. Dadurch vereinfacht sich die Dokumentation des
Warenübergangs zwischen den Beteiligten der Logistikkette und
Zustellungsfehler werden vermieden.
- Temperaturüberwachung:
Mit entsprechenden Sensoren ausgerüstete Transponder überwachen die Kühlkette
von Lebensmitteln oder Medikamenten und zeichnen diese auf. Mit solchen Tags
ist es möglich, Temperaturen an gewünschten Zeitpunkten zu messen und sie mit
Vorgaben zu vergleichen. Einsatz-Bereiche liegen in der Frischelogistik, dem
Transport und der Lagerung von medizinischen Produkten oder
temperaturempfindlichen Chemikalien.
RFID-Standards
- Tier-Identifizierung
- ISO 11784
- ISO 11785: FDX, HDX, SEQ
- ISO 14223: advanced transponders
- Kontaktlose Smartcards
- ISO/IEC 10536: close coupling Smartcards (Reichweite bis 1 cm)
- ISO/IEC 14443: proximity coupling Smartcards (Reichweite bis 10 cm)
- ISO/IEC 15693: vicinity Smartcards (Reichweite bis 1 m)
- ISO/IEC 10373: Testmethoden für Smartcards
- ISO 69873: für den Werkzeugbereich
- Container-Identifizierung (Logistikbereich)
- ISO 10374: Container-Identifizierung (Logistikbereich)
- ISO 10374.2: "Freight Container –Automatic Identification"
- ISO 17363: "Supply Chain application of RFID – Freight Containers"
- ISO 18185: "Freight Container – Electronic Seals"
- VDI 4470: Diebstahlsicherung für Waren (EAS)
- VDI 4472: Anforderungen an Transpondersysteme zum Einsatz in der Supply Chain
- Blatt 1: Einsatz der Transpondertechnologie (Allgemeiner Teil)
- Blatt 2: Einsatz der Transpondertechnologie in der textilen Kette (HF-Systeme)
- Blatt 5: Einsatz der Transpondertechnologie in der Mehrweglogistik
- Blatt 8: Leitfaden für das Management von RFID-Projekten
- Blatt 10: Abnahmeverfahren zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit von RFID-Systemen
- Item Management (Verwaltung von Gegenständen)
ISO/IEC 18000 Information technology — Radio frequency identification for item management:
- Part 1: Reference architecture and definition of parameters to be standardized
- Part 2: Parameters for air interface communications below 135 kHz
- Part 3: Parameters for air interface communications at 13,56 MHz
- Part 4: Parameters for air interface communications at 2,45 GHz
- Part 6: Parameters for air interface communications at 860 MHz to 960 MHz
- Part 7: Parameters for active air interface communications at 433 MHz
- Datenstrukturen und Reader-Kommunikationsprotokolle
- EPC global (Electronic Product Code)
- ISO/IEC 15961 AIDC RFID Data Protocol – Application interface
- ISO/IEC 15962 AIDC RFID Data Protocol – Encoding Rules
Literatur
H. Bhatt, B. Glover: RFID Essentials, O'Reilly, ISBN 0-596-00944-5
Klaus Finkenzeller: RFID-Handbuch, Hanser, ISBN 978-3-446-42992-5
Patrick Sweeney: RFID für Dummies. ISBN 3-527-70263-6
G. Tamm, C. Tribowski: RFID, Springer. ISBN 978-3-642-11459-5